Dieses weniger bekannte Heilbad stellte Dr. Eman Pertl, Medizinhistoriker, in seinem Werk Naravno zdravilišče v Bistrici pri Limbušu (Natürliches Heilbad in Bistrica bei Limbuš) vor, das die Merkmale eines natürlichen Kneipp-Heilbades aufwies. Dr. Pertl zeigte auf, wie Gjuno Simonič dieses Heilbad von 1884 bis 1905 leitete. Simonič empfahl das natürliche Heilbad in seiner Broschüre, und das natürliche Umfeld, insbesondere der Wald, führte ihn nach Bistrica.
Diese natürliche Neigung unter dem Pohorje bildet zusammen mit dem Bach die Ebene vor dem Ufer der Drau. Mit seiner heilenden, sauberen Luft und seinem wohltuenden Mikroklima wirkte es sich positiv auf das Wohlbefinden der Menschen aus. Am bekanntesten war in Bistrica die Gaststätte von Ludvik Rottner. Gäste waren Alt und Jung, Männer und Frauen. Darunter waren Rheumatiker und Asthmatiker. Die Gäste kamen aus der ehemaligen Österreichisch-Ungarischen Monarchie. Die meisten waren aus Wien, Beamte und Offiziere. Sie kamen sogar aus Russland, einige aus Leoben, New York und Genua.
Das Sanatorium erinnerte an eine gute Improvisation. Die Gäste wohnten in bescheidenen Bauernhütten. Im Haus Bistrica 3, das Miloš Oset gehörte, hatte Simonič eine Wohnung gemietet. Hier gab es Duschen und Badewannen. Alles war einfach. Im Haus Bistrica 22 (bei Leponček) hatte Simonič eine Art Laboratorium oder heimische Apotheke mit Kräutern und Salben. Die Gäste mussten zwei Laken aus grobem Leinen und zwei spezielle Decken mitbringen. Sie lagen auf zementierten, mit Holz verkleideten Bänken. Simonič empfahl Sonnenbäder, da er sich auf alte Überlieferungen der Inder und Perser berief. Sie schliefen auf Luftmatratzen in Zelten, wo die Kraft der Erde gut spürbar sei. Die Drau-Kies aus der Onič-Bucht wurde zum »Einwickeln« verwendet, für Schlammbäder, die bis zu einem gewissen Grad krankhafte Stoffe zersetzten. Nach der Methode von Pfarrer Kneipp standen Barfußlaufen und Wassergang (Laufen im Morgentau, Treten – Planschen im Wasser) auf dem Programm. Die Gäste halfen den umliegenden Bauern beim Dreschen und Fächern von Flachs. Simonič empfahl sein Sanatorium nicht nur gesunden, von der Arbeit übermüdeten zur Erholung, sondern zur Behandlung vieler chronischer Krankheiten. Er behandelte Nervenkrankheiten und Schlaflosigkeit, Frauenkrankheiten, Herzkrankheiten, Krankheiten der Atemwege und Verdauungsorgane. Simonič übertrieb es nicht mit Ratschlägen. Die Behandlung wurde individuell dosiert, und die Ernährung war vegetarisch: Haferbrot, Milch, Grießbrei, Gemüse, Kartoffeln und Obst. Manch ein »Dickkopf« nahm ab. Das Erholungsprogramm umfasste Schwimmen in der Drau, Kegeln und andere Gesellschaftsspiele. Simoničs Verwandte bedienten die Gäste, und die Speisen wurden nach Rezepten aus dem Buch »So müssen Sie sich ernähren« zubereitet. Abends erklangen die Zithern und vertrieben die Trübsal. Es war angenehm und ungezwungen, aber auch lehrreich, denn Vater Simonič klärte die Gäste auch gesundheitlich auf. Er lehrte natürliche Heilmethoden, vor allem im Freien, bei schlechtem Wetter aber in der Gastwirtschaft Rottner. Dorthin fuhren, besonders sonntags, zahlreiche Marburger mit dem Zug.
Die Einheimischen konnten kaum verstehen, dass die Gäste dafür bezahlten, schon im Morgengrauen aufzustehen, früh auf dem taufeuchten Gras zu stapfen oder im Bach zu planschen und bei der Feldarbeit zu helfen.
Im Jahr 1905, nach mehr als 16 Jahren Betrieb, wurde das Sanatorium in Bistrica geschlossen. Hätte Simonič deutsches Kapital beschafft, hätte sein Sanatorium wahrscheinlich weiterbestanden und Bistrica wäre heute ein bekanntes Heilklimatisches Kurort und Touristenort. Auf dem Weg von Maribor nach Ruše stehen noch die ehemaligen Rottner-Häuser und andere Gebäude, dort, am Bach, wo seine Patienten auf taufrischem Gras barfuß liefen und Geist und Körper stärkten, stehen noch Obstbaumwiesen.